Allerlei
Nie hat ein Blogbeitrag soviele Reaktionen ausgelöst wie derjenige über das Ghosting. Ich bin sooooo dankbar für Eure Reflektionen und die eigenen Erfahrungen, die Ihr mit mir geteilt habt. Das lebt und ist echt und tut einfach gut. Ich bin überrascht, wieviele sich mit der Perspektive der anderen Seite auseinander setzen und Sätze wie “vielleicht hast du zuviele wunderschöne Eigenschaften, die der anderen Person einfach noch fehlen” oder “das Leben schreibt immer neue Geschichten, unmöglich, alle am Leben zu erhalten” sind allerschönste Geschenke, Schmuckstücke für die Seele. Sie bereichern mein Leben und erhöhen das Vertrauen in die Menschheit. Ganz dicke Umarmung dafür und einen Knicks. Ja, eine Verbeugung vor Eurer lebensfrohen Einstellung.
Da ist nochwas. Ich bin gerade schwer verliebt und die ganze Familie mit mir. Seit knapp drei Wochen ist unser Basti da und hat unser Leben ebenso anstrengend wie wundervoll verändert. Die Nächte sind unruhig, Duschen und Essen kommen zu kurz, für Einkäufe bin ich, wenn alleine, auf Hilfe angewiesen, morgens steige ich aus einem zerwühlten Bett, in das ich mich spätestens zur Siesta wieder hinein plumpsen lasse. Dazwischen spielen, lernen und üben. Kuschelmomente wechseln sich mit Herzkaspern ab, wenn der kleine Racker nicht hört und sich durch die Büsche schlägt. Mit stolz geschwellter Brust feiern wir kleine Erziehungserfolge und in unseren Jackentaschen tummeln sich Leckerli und Kotsäckchen. Ich benutze Kosenamen wie Schnuffeltier, Bärchen, Schatzi und Schlimmeres und finde das ganz normal. Iaki bleibt unvergessen aber Basti hat schon einen grossen Platz in unseren Herzen.
Man würde ja das Schöne ja nicht kennen, wenn es nicht auch das Hässliche gäbe. Hässlich, gemein und abscheulich finde ich, was gerade in Afghanistan passiert. Wer hat's verbockt? Wer will keine flüchtenden Afghanen aufnehmen, wer schiebt sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe und wendet sich anschliessend anderen Dingen zu? Da hätte die westliche Arroganzwelt mal besser die Russen dort gelassen, wo sie zwar auch nicht hingehörten, aber zumindest nicht Schlimmeres als wir anstellten. Wieder mal haben wir uns eingemischt, zahllose Opfer hinterlassen, Radikalisierung eine Rechtfertigung erteilt und ein Land in Schutt und Asche hinterlassen. Was für eine Schande! Die Politik versagt auf der ganzen Linie und während hin- und herbürokratisiert wird, sterben unschuldige Menschen. Ich könnte schreien vor Frust.
Die Enttäuschung ist das Ende der Täuschung. Ich kenne diesen Satz seit Jahren, was mich nicht vor Reinfällen der zwischenmenschlichen Art bewahrt. Schmerzlich übe ich mich in Loslassen und Akzeptanz, ohne Verbitterung oder fiese Gedanken. Ich hatte einfach eine andere Auffassung von Freundschaft, gewisse Erwartungen, die meines Erachtens dazu gehören und zu denen ich auch nach reiflicher Überlegung stehe. Es hat nicht sollen sein und es ist müssig, nach Motiven zu suchen. Ich hätte mir mehr gewünscht aber ach, da ist kein Platz für mich. Gut, ist es vorbei, denn kaum sind meine Tränen versiegt, erreichen mich ermutigende Zeichen von unerwarteter Seite. Habe ich jahrelang falsch geguckt? So what - nur meine besten Wünsche gebe ich mit auf den Weg - ehrlich.