Pro Corona

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Das arme kleine, mies gekleidete und stachlig aussehende Corona Virus hat die Welt erschüttert. “dä chäfer”, wie die Deutschschweizer sagen, ist DAS Tagesgespräch; dagegen verblassen sämtliche Nachrichten über Flüchtlinge, den fiesen Mop mit dem Eichhörnchen auf dem Kopf, den Ziegenficker, den Urwaldschänder, den Megxit und den Brexit. Alle hassen das kugelrunde Krönchentier, es setzt ganze Länder lahm, verbreitet Angst und Schrecken wie einst Pest und Cholera oder die spanische Grippe. Es gibt gute Gründe und vielfältige Möglichkeiten dem Virus aus dem Weg zu gehen aber ich möchte an dieser Stelle auch ein Plädoyer für das Käferchen halten.

Erstens weiss ich jetzt, über was ich mit jedem, wirklich jedem, reden kann. Sogar Mitmenschen bei denen ich nie über die Wettervorhersagen kam, wissen über Corona Bescheid! Corona vereint die Welt - wir sitzen alle im gleichen Boot und das Tierchen macht keinen Unterschied zwischen Reich und Arm. Grenzen werden überwunden und auch dem letzten Oberarsch ist klar: Mauern sind keine Lösung. Corona schafft trotz aller Distanz eine gewisse Nähe, denn wir leiden unter den gleichen Ängsten. Leiden tut auch die Wirtschaft und die Börse und das wiederum führt dazu, dass sich so einige Erdenbewohner auf das Wesentliche besinnen. Corona fördert den Zusammenhalt, die Kreativität und das selbstständige Handeln - siehe z. B. Basler Fastnacht, Event Veranstalter, die Ausbreitung von Home Office und die länderübergreifende Kommunikation. “Was? Bei Euch auch? Sogar die Supermärkte?” “Bei uns so und so… “. Da flattern lustige Sprüche und Videos herein, Tipps machen die Runde und man sorgt sich um die gegenseitige Gesundheit. Das Klima profitiert von unserem neuen Verhalten und der Co2 Ausstoss verringert sich dank abgesagter Flüge und Kreuzfahrten. Haltbare Lebensmittel sind wichtiger als ein prall gefülltes Portemonnaie und demnächst pflanzen wir Kartoffeln im gemeinsamen Schrebergarten. Einzig die frisch Verliebten leiden und seufzen, denn wer will im Zustand der geistigen und körperlichen Ekstase schon Zungenkuss mit Namasté ersetzen. Mein Vorschlag: statt Handschlag den “bump” praktizieren - da bekäme unser Alltag mal einen ganz neuen Dreh und “die Liebe in den Zeiten des Coronas” (Verzeihe mir die Verballhornung Gabriel Garcia Marquez) einen Extrakick.

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P. S. Sogar der Tag der Frauen ist im Coronawirbel untergegangen. Aber wer braucht den schon? Jeder Tag ist ein Frauentag.