Ach! Seufz!
Wenn ich müde bin, wenn das Leben anstrengend ist, die Sorgen überhand nehmen, die Tage lang und eintönig daher kommen, wenn es dauerregnet, die Sonne anscheinend aufgegeben hat und ich mich frage, ob die Zeit im falschen Moment angehalten wurde, dann, ja dann, guck’ ich Schmonzetten. Filme, die romantisch und nur vermeintlich unkompliziert daher flanieren. Filme, in denen Menschen trotz aller Widrigkeiten zusammen kommen, in denen Patchworkfamilien einen Modus vivendi finden, in denen Familienzwistigkeiten in einer einzigen Aussprache aufgedröselt werden, von irgendwo her eine Erbschaft winkt und eine unmögliche Liebe beim Einkaufen explodiert, begleitet von Engelsposaunen, welche die Wolkendecke aufreissen lassen und zwei unglaublich attraktive Menschen sich im Abendrot inniglich küssen. In diesen Filmen finden Streitigkeiten aus Kindertagen ein gutes Ende, weil Geschwister begreifen, dass sie nur dieses eine Leben haben und es sich lohnt, aneinander zu verzeihen und zu vergeben. Ehemals hässliche Entlein entpuppen sich in einer schicken Boutique als stolze, strahlende Schwäninnen, die ihrem Prinzen mit der goldenen Kreditkarte champagnerseelig zulächeln. Rebellische Töchter werden selber ungeplant schwanger, bleiben alleine und verlassen und verstehen und lieben auf einmal ihre Mütter. Geldgierige Söhne werden geläutert und kümmern sich um pflegebedürftige Eltern und alleinerziehende Witwer finden den Zugang zu ihren Kindern und organisieren ein Zeltlager mit Lagerfeuer. In dieser Filmwelt sind die Menschen schlank und rank und hübsch. Wenn sie das nicht sind, dann überzeugen sie mit sympathischer Kauzigkeit und veritablem Charisma und wenn das alles nicht hilft, dann leben sie in einer wunderschönen Gegend, besitzen Oldtimer und einen verwunschenen Garten. Sie üben Berufe wie AntiquitätenhändlerInnen oder ImmobilienmaklerInnen aus, sind künstlerisch begabt oder erfinden gerade etwas im stillen Kämmerlein. Zunächst verkannt werden sie zufällig entdeckt und finden sich als Star (kann ich Starin sagen?) in einer angesagten Galerie wieder, die anderen werden von einem Riesenkonzern mit einem gigantischem Vertrag umworben und egal wer, ziehen sich die Glücklichen an einen Bilderbuchort zurück und züchten Rosen während ein dekorativer Hund ihnen auf Schritt und Tritt folgt. (Dieser Hund scheisst übrigens nie und kein Kacksäckli trübt das äusserst modische Outfit, bestehend aus Hotpants und Gummistiefeln der Marke Hunter). Blonde Feen tragen romantische Flatterkleider und laufen elegant auf high heels durch eine Blumenwiese, während ein Sommerschal in Fliederfarben sie dekorativ umhüllt. Diese Filme sind hundertprozentig vorhersehbar, zum Kotzen kitschig, allzu einfach gestrickt aber, ach, sie tun so gut wie warme Hühnersuppe und ein Kaminfeuer. Diese Filme sind der grösste Mist, gaukeln mir etwas vor und lullen mich ein. Sie verzeichnen einen riesen Erfolg und deshalb weiss ich, ich bin nicht alleine. Da draussen gucken Millionen Andere ebenfalls und wiegen sich in Sicherheit, seufzen mit und weinen zuckrige Tränen. Ich bin Teil einer grossen community und morgen scheint garantiert die Sonne. Wo ist mein Flatterkleid und wieso passt es um den Bauch nicht mehr? Naja - Gummistiefel gehen immer.