Lyrik

Ich hege ein Faible für weibliche Lyrikerinnen. Meine Lieblingspoetinnen sind Mascha Kaléko, Hilde Domin und die Italienerin Alda Merini. Ist es nicht ein Trauerspiel und ein Skandal, dass deren kopfverdrehende, süchtig machende Wort- und Satzschöpfungen aus dem Leid geboren sind? Die beiden Ersteren weil sie jüdischen Glaubens waren, Letztere weil sie als “die verrückte Nachbarin” in die Schublade der Geisteskranken gesteckt wurde. Eines ihrer Gedichte beschreibt ein Lebensgefühl, das bei mir einige Töne anklingen lässt. Ein Gedicht, welches Zuversicht und Stärke weckt. Ich versuche mich an einer Übersetzung.

Wieviele Träume habe ich geträumt. Es waren jedenfalls wundervolle Träume. farbenfrohe Träume, die Dir sagten: “Los jetzt, steh auf! Das Leben ist schön. So wie es die Natur uns beibringt, immer stärker als Deine Ängste.” Da erhob ich mich und setzte mich auf mein Bett, die Träume verschwanden und die klare Morgenluft strömte ins Zimmer. Mein Körper war schön wie eine Statue, die Statue einer Kämpferin, bereit den Tag zu meistern und ihn zu gewinnen.

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Für mich war das Leben schön, weil ich es teuer bezahlen musste.” Alda Merini

Ein Satz, wie ein Pistolenschuss. Mitten ins Herz. Nicht tödlich. Aber mich haut er um.

Marita