Alleinsam

Einsamkeit ist ein gemeiner Zustand, der uns krank und hilflos macht. Alleine sein hingegen kann sehr beglückend sein. Ich kenne Frauen unterschiedlichen Alters, die sich einsam fühlen, damit hadern, dass sie keinen Partner haben, denen ihre Freunde und Kollegen, ihre Familie nicht genug sind, denn sie suchen den Einen, den glücklichmachenden Traumprinzen, denjenigen, mit dem sie sich endlich realisieren können. Schwestern, ich habe eine schlechte Nachricht für Euch. So funktioniert das nicht! Ich weiss, wovon ich spreche, denn ich selber bin X Kompromisse eingegangen um ja nicht nur mit mir selber den Alltag zu bewältigen. Ich habe mir Männer und Beziehungen schön geschwätzt, war verliebt in die Verliebtheit, die Schmetterlinge im Bauch, die symbiotische Zweisamkeit. Aber oh weh, sobald der Ausnahmezustand des rasenden Gefühlskarusells vorbei war und nun doch die Liebe beginnen sollte, kam das grosse Erwachen. Die Partnerschaften hielten nur solange ich mich verbog, mich anpasste und meine Bedürfnisse hintenan stellte. 52 Jahre habe ich gebraucht um so selbstsicher zu sein, dass ich Mich über den Anderen stellte. Entdeckung! Seitdem kann ich sehr zufrieden und ausgeglichen mit mir alleine sein. Ich führe eine Beziehung auf Augenhöhe und brauche den anderen nicht, um mich vollständig zu fühlen. Es tut gut, Erlebnissse und Erfahrungen mit jemandem zu teilen aber nur solange dabei beide auf ihre Kosten kommen. Und ich denke heute, dass der männliche Hauptgewinn eine Erfindung Hollywood's ist. Denn egal wo ich hinschaue, hinter den Kulissen läuft keine Ehe, keine Lebensgemeinschaft so ab wie in den ersten Zeiten der Leidenschaft. Da gibt es die vermeintlich perfekten "Mulino Bianco" Familien, aber sobald an der Oberfläche gekratzt wird, kommt Sodom und Gomorrah hervor. Es wird betrogen und belogen, alle möglichen Fluchtstrategien ausprobiert, Kommunikation findet nur noch zweckgebunden statt, Gemeinsamkeiten sind materielle Errungenschaften wie das Haus oder das Bankkonto, die Kinder werden gegeneinander ausgespielt, Frustshopping erfüllt kurzfristig das Bedürfnis nach Wertschätzung, verplante Wochenenden mit Gleichgesinnten ein Muss um die Leere zu füllen. Die Frage ist doch, bin ich bereit, dies in Kauf zu nehmen obwohl ich mich ja trotzdem einsam fühle, aber eben nicht alleine? Wenn ich daran denke, wie oft ich ja gesagt habe, obwohl ich nein meinte, wird mir schlecht! Damit wir uns nicht einsam fühlen, müssen wir uns selber lieben und annehmen. Dann ist Alleinsein ein herbei ersehnter Zustand  des inneren Friedens, des Einssein mit dem Universum und nicht die Hölle der Einsamkeit, der Verlassenheit, des Gefrorenseins. Die Liebe der anderen kommt und geht. Wenn wir uns ihr willenlos und blauäugig ausliefern, wird sie uns nicht das bringen was wir von ihr erwarten. Auch die Erwartungen, die wir an den oder die PartnerIn stellen, führen zwangsläufig zu Enttäuschungen. Und diese zeigen uns, dass wir in der Täuschung gelebt haben. Kein Mensch kann all die hoch gestochenen Träume erfüllen, die wir uns als Prinzessin auf der Erbse so ausmalen. Ein bisschen gesunder Realismus würde hier nicht schaden, bloss ist der so unromantisch. Mir fällt auf wie oft Frauen nur an oberflächlichen Erfüllungen arbeiten, das Aussehen, der Job, der Vorzeigemann, das Vorzeigehaus, Auto, Kind, Ferien. (Für eine Aussage über Männer fühle ich mich weniger kompetent). Ihre eigene Basis, ihre Grundbedürfnisse kennen sie viel zu wenig oder nehmen sie nicht wichtig. Seid lieb zu Euch selber, lernt Euch kennen, seid geduldig und verständnisvoll, verzeiht Euch Eure Schwächen und Unzulänglichkeiten, denn wie sagt L'Oréal so werbeträchtig? Ihr seid es Euch Wert! Und damit meine ich nicht die Crème.

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Marita