Und sie dreht sich.. weiter

Es ist eine einschneidende Erfahrung, wenn einem zum ersten Mal so richtig bewusst wird, dass sich die Welt auch ohne dich dreht. Wirklich, wirklich bewusst. Nicht nur so dahin gesagt, sondern wenn diese Erkenntnis sich in deinem Hirn ausbreitet nachdem sie mit lauter kleinen Blitzen durch die Schale gedrungen ist. Von dort findet sie ihren Weg in deine Seele und kichert ein wenig bösartig, gleichzeitig ehrlich, unverpackt und schnörkellos. Da hast Du's. Eine stille Traurigkeit hüllt dich ein, umnebelt dein Empfinden und macht dir diesen Gedanken erträglich. Und zwar so lange erträglich bist du begreifst, was für eine ungeheuerliche Erleichterung das ist. Denn auf einmal wird dir klar, dass wenn du nicht für dich selber wichtig bist, du es für niemanden bist. Das Leben rast und rennt, stolpert und schwebt, fordert und fragt - ständig hält es die Hand auf und wartet nicht auf dich und auch auf sonst niemanden. Da ist keine Zeit, keine Musse zum innehalten, alles drängt und drängelt. Jeder Tag verlangt uns Höhenflüge ab und nur wir selber sind in der Lage, Stopp zu sagen. Nicht die anderen. Die müssen diesen Schritt selber gehen. Und die, die ihn gegangen sind? An was werde ich sie erkennen? Welche unsichtbare Aura wird sie umgeben? Werden wir uns begegnen, uns die Hände reichen, uns erschnuppern? Wenn ich morgen die Haustüre hinter mir schliesse, wird mein Schritt beschwingt sein, wie der eines jungen Mädchens, denn ich werde mich neu verlieben, diesmal in mich selbst. Und wenn mich meine Ecken und Kanten daran hindern, leichtfüssig über den Erdball zu tänzeln, so werde ich mich ihrer liebevoll annehmen und mich bei ihnen bedanken. Denn wie sollte ich mich kennen lernen, wenn nicht am unrunden?

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Marita