Elvis
Ich bin bekennender Elvis Presley Fan. Schon immer. Am 16. August 1977, drei Wochen vor meinem 16. Geburtstag, hörte ich die Nachricht von seinem Tode im Radio. In anständiger Teenagermanier ging natürlich sofort die Welt in meinem Kinderzimmer unter: Tränen, Drama, Trauer. Dabei war ich mit meiner Vorliebe für Elvis und seine Musik total "out". Angesagt waren Abba und Boney M., die ganze Discomusik und - Kreischalarm - Shaun Cassidy mit Da do ron ron. Das Teenieidol hing zwar auch bei mir an der Wand - Bravo sei Dank - , aber nur weil ich nicht komplett aus dem Rahmen fallen wollte. Denn meine Stars waren alle aus den Fünfzigern. Neben Elvis sass Marlon Brando auf seinem Motorrad (hat es je einen besseren Schwiegermutterschreck gegeben?) und das Filmplakat von "Flammen über Fernost" mit Gregory Peck hing neben Marilyn Monroe in der berühmten Szene aus dem verflixten 7.Jahr. Statt unter der Diskokugel abzutanzen, bevorzugte ich den sonntäglichen Tanztee im La Romantica, Herren im Anzug, die einen in aufrechter Haltung übers Parkett lavierten und gute Manieren.
Musste leider dem Immobilienwahn weichen, der mittlerweile das ganze Tessin verschandelt hat
Was soll's, ich war sowas von altmodisch und gleichzeitig vehement für die Emanzipation. Die Mode der Zeit war auch nicht so meins und meine Mutter nähte mir weite Röcke, die ich statt Schlaghosen trug. Das ich einmal im Leben durch ganz Myanmar, das einstige Burma, getreckt bin, ist Herrn Pecks Verdienst. Rock'n Roll liess mein Herz jedenfalls höher schlagen als Suturday Night Fever und Elvis schmelziger Bluestimbre mehr als Deep Purple. Zu meinem Geburtstag bekam ich eine Mappe mit allen möglichen Daten und Informationen zu Elvis Presley; ein Geschenk das mein Klassenkamerad Joe, Halbamerikaner, initiert hatte. Ich habe mich riesig darüber gefreut. Leider gingen die gesammelten Werke bei einem Umzug verloren. Meine erste LP (Langspielplatte) waren natürlich Elvis' berühmteste Songs und "love me tender" hat mich durch einige, hollywoodreife, Liebeskummerphasen begleitet. Ach ja, seufz. Aber vielleicht bin ich ja gar nicht so alleine mit meinem Musikgeschmack? Schliesslich hat der King immer noch eine weltweite Fangemeinde und seine Erben verdienen jedes Jahr Millionen an ihm. Rock'n Roll und Lindy Hop werden wieder getanzt, Rockabilly Festivals erfreuen sich grösster Beliebtheit. Bei mir jedenfalls hat die Musik, die danach kam, keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, mit Ausnahme von Queen. Ich brauch was, das mir in die Beine geht - letz fetz und see you later alligator.